Geschichte von St. Michael Die Kapelle St. Michael, war eine der beiden Kirchen in Dornheim, die andere war St. Agatha außerhalb des Dorfes. St. Michael war eigentlich die Begräbniskirche mit Friedhof, wurde dann im Zuge der Neuorientierung nach der Reformation als Hauptkirche in Dornheim ernannt. Der Kirchhof von St. Agatha wurde zum Friedhof.
Nach Umbauten und Reparaturen der alten Kirche, wurde von 1808 bis 1810 die neue Kirche gebaut. 1810 wurde die neue Kirche eingeweiht, zu diesem Anlass gab es eine Kirchweih. Im Jahre 1834 bekam sie einen neuen Kirchturm, der alte war nach einem Blitzeinschlag abgebrannt. 1910 kam eine Kleinkinder Schule anlässlich des Kirchenjubiläums hinzu. Auch wurde die Ev. Frauenhilfe gegründet, um die Kleinkinder Schule zu unterstützen.
Innenraum der St.Michaelskirche vor 1944
Zerstörung und Wiederaufbau Im Jahr 1944 genau gesagt am 12.12.1944 traf das Dorf bzw. die Kirche ein harter Schlag. Um die Mittagszeit gab es Fliegeralarm, die Bürger des Ortes gingen nicht in den Keller wie es angeordnet war sondern blieben in ihren Häusern was schlimmeres verhinderte. Der Bomberverband zog südlich von Dornheim nach Osten ab, als sich ein Bomber aus der Formation löste und auf Dornheim zu flog, ob es geplant oder zufällig passierte weiß man nicht. Das Flugzeug warf Sprengbomben über den Wiesen außerhalb des Dorfes ab, aber auch die Ortsmitte wurde getroffen. Einige Scheunen brannten aus. Eine Feuerwehr gab es nicht mehr, denn die Wehrleute waren alle im Krieg. Die Mädchenwehr und einige französische Gefangene versuchten zu löschen. Ordentliches Löschwerkzeug gab leider keines mehr. So konnten sie nur das nötigste tun.
Für die Kirche kam leider jede Hilfe zu spät, sie brannte völlig aus. Der Kirchendiener konnte noch einige Altargegenstände retten. Die Bewohner Dornheims mussten mit ansehen, wie die letzte verbliebene Glocke herabstürzte. Von Seiten der Ortsansässigen Ordnungshüter, wurde nicht viel geholfen. Bilder die damals gemacht wurden, verschwanden in den Fotogeschäften, so wurden unersetzbare Abbildungen vernichtet. ( nur heile Welt )
Das was von St.Michael 1944 übrig war
Der Gottesdienst musste dann im Behelfsmäßig eingerichteten Kindergarten abgehalten werden. Da es keine intakte Glocke mehr gab beschloss der Kirchenvorstand die kleine Glocke, die am 12.12.1944 nach dem Brand in der Kirche zerbarst, umschmelzen zu lassen. Geweiht wurde diese Glocke am 2. Fastensonntag (Reminiscere) 1947.
Drei Pfarrer (Pfarrer Fenske / Pfarrer Krüger / Pfarrer Mappes), waren maßgeblich mit beteiligt, am Wiederaufbau der Kirche. Der Name Pfarrer Herbert Fenske stand auf dem BAUSTEIN Zertifikat zum Wiederherstellen der ev. Kirche St. Michael. Durch seinen Nachfolger Pfarrer Wilhelm Krüger kam es 1952 zur Gründung des Kirchenbauvereins.
Im September 1953 kurze Zeit nach Amtsantritt von Günter Mappes konnte mit dem Wiederaufbau der Kirche begonnen werden.
Richtfest für das Kirchenschiff fand am 20. Januar 1954 statt, es war für den Hessischen Rundfunk sehr interessant, das darüber in einer Reportage berichtete wurde. Am 2. Adventsonntag 1954 wurde der Gottesdienst ein Abschied von der Behelfsstelle im Kindergarten und eine Wiedereinweihung des neuen Gotteshauses.
Es folgten der Kirchturm und die Anschaffung einer Orgel (diese war vorher in der Stadtkirche in Groß-Gerau). Der Höhepunkt des Kirchenwiederaufbaues war aber die Anschaffung der vier Glocken im Herbst 1958. In einem Zeitungsbericht der Heimatzeitung von Anfang November 1958 wird berichtet „ Die Vorfreude beim Guss der neuen Glocken dabei zu sein, erlebten 62 Dornheimer, die vor einigen Tagen mit Pfarrer Mappes nach Kochendorf zur Fa. Bachert gefahren waren".
Mit Herrn Lehrer Michel hatte man einen kundigen Reiseführer dabei. Höhepunkt der Fahrt war allerdings das Erlebnis des Glockengusses und nach alter Sitte das dazugehörende Gebet um gutes Gelingen des Gusses vorauszuschicken.
Circa 14 Tage später kamen die 4 Glocken, von denen die ersten 3 die Aufschrift die ersten Bitten des "Vater unser" führten „DEIN NAME WERDE GEHEILIGT" / „DEIN REICH KOMME" / DEIN WILLE GESCHEHE" Auf der vierte Glocke steht „HALTET AN AM GEBET": Die Glocken wurden vom Bahnhof in einem Festzug zur Kirche gebracht. Am 30.11.1958, den 1. Advent fand die Glockeneinweihung in Dornheim statt. Anwesend waren hohe Kirchliche und behördliche Gäste.
1958 konnte mit Kirchengeläut wie es vor dem Dezember 1944 üblich war wieder Weihnachten begangen werden. Es war nur möglich durch die Hilfe und Spenden der Gemeindemitglieder und der Beharrlichkeit des Kirchenvorstandes und der Pfarrer zwischen den Jahren 1947 bis 1958 das dass alles möglich wurde.
1961 wurde der Wiederaufbau mit der Außenrenovierung des Kirchengebäudes und die Installation einer neuen Turmuhr beendet. Das Uhrwerk dieser Turmuhr steht heute ais Ausstellungsstück im Vorraum zur Kirche.
Die Turmuhr Im Jahr 1695 wurde an einen Uhrmacher aus Diedenbergen den Auftrag zum Aufstellung einer Turmuhr vergeben. Der Uhrmacher erhielt 6 fl für die Uhr an der Außenwand zu schlagen und zu verbessern. Der Glöckner war für das Schmieren und das Reinigen der Uhr zuständig. In einer Gemeinde Rechnung steht unter Ausgabe:
6 alb, erhält der Glöckner für die Uhr auszukochen in einem Kessel und 16 alb, für die Uhr und Glocken zu schmieren.
Der damals von Ort zu Ort ziehender Uhrmacher der die Uhren instand setzte bekam aus der Dornheimer Gemeindekasse jährlich 1 fl. 15 alb. als Besoldung.
Die Glocken Viele der älteren Dornheimer können sich noch an die Glockeneinweihung 1958 erinnern. Da bekam die Dornheim wieder Glocken, (siehe Zerstörung und Wiederaufbau). Da ist die neuere Geschichte unserer Glocken. Aber wie war das früher, Joh. Heinrich Feldmann hat in alten Gemeinderechnungen einiges gefunden. Bis 1907 gehörte der Kirchturm der Gemeinde wie auch die Glocken, die Turmuhr und die Orgel. Hier habe ich einiges aufgeschrieben das vielleicht nicht so bekannt ist. In einer Gemeinderechnung steht: Ausgabe:
1 fl. 15 alb. 10 Klafter Uhrseil und Klafter zur mittelste Glock dem Seiler zu Darmstadt gezahlt.
Ferner:
15 alb, vor eine gort an die große Glock und vor zwei neue Kirchenschlüssel 8 alb. zahlt.
Zur damaligen Zeit hingen die Glocken an Gurten aus Leder im Glockenstuhl. Rechnungen über diese Reparaturen gab es öfters. Die Reparaturen führte ein Sattler aus Groß-Gerau aus.
1704 brannte der Kirchturm ab. Erst ab 1707 wird wieder eine Ausgabe für die Glocken erwähnt. Kosten für 14 Klafter Glockenseil. Auch Kosten für das Anschlagen für neue Türen im Glockenturm gibt es. 1709 werden 1 fl. 24 alb. für einen Glockenstrang an die Mittelglock und 15 alb. für einen Glockenhammer „in die kleine Glock" als Ausgabe geführt.
Als im Jahre 1907 der Turm an die Kirchengemeinde überging wurde von der politischen Gemeinde nur noch das Polizeigeläut - bei Versteigerungen und das Schulgeläut von dem Polizeidiener und der Schuldienerin verrichtet. Die Schulglocke wurde mit den Kirchenglocken im Jahr 1917 dem Krieg geopfert.
Die Kirchenfenster Die Fenster der Kirche waren in den 50er Jahren schlicht weiß. Durch Spenden der Gemeindemitglieder und der Frauenhilfe konnten diese nach Abschluss der Wiederaufbauarbeiten durch Buntfenster der die Stationen Jesu Christi darstellen, ersetzt werden.
Das Fenster mit dem Engel Gabriel und Maria Fangen wir mit dem Fenster links vom Altar an. Es zeigt den Engel Gabriel, der Maria die Nachricht bringt, das Sie einen Sohn namens Jesu gebären wird. Das Fenster über dem Altar Dieses zeigt Jesu der auferstanden ist. Im dem kleinen Fenster darüber ist eine Friedenstaube zu sehen. Das Fenster mit der Hirtenszene Im Fenster rechts daneben ist zusehen wie ein Engel den Hirten über die Geburt Jesu berichtet. Das Trauerfenster mit Maria von Magdala, Johannes und Maria Hier sieht man drei Personen die um Jesu trauern. Dieses Fenster wurde zum Gedenken an die im 2. Weltkrieg gefallenen Söhne von Jakob Rückert und seiner Frau gestiftet. Das leere Grab Jesu Maria und Maria von Magdala vor dem leeren Grab Jesu und Jesu mit einem Heiligen Schein.
St. Michael heute 1965 wurde der neue Kindergarten hinter der alten Kleinkinder Schule seiner Bestimmung übergeben.
Von 1979 bis 1980 wurde der Innenraum der Kirche umgebaut, um so Räumlichkeiten für Kirchenveranstaltungen zu bekommen. Es wurde der Westteil der Kirche durch eine Wand abgetrennt und in 3 Etagen aufgeteilt.
Die Neueinweihung war am 22. Juni 1980 also vor 30 Jahren. Man bekam so einen großen Gemeindesaal eine Küche, Sanitäranlagen und weiter Räume. Die Frauenhilfe trifft sich hier alle 14 Tage.
Die Orgel Die erste Orgel ist nachweisbar von 1684 und wurde bei Johann Anthon Meyer sesshaft in Darmstadt bestellt. Sie soll 7 Register gehabt haben. Eigentlich sollte die Orgel zum Pfingstfest 1685 fertig sein. Aber laut den Gemeindeunterlagen war sie erst 1686 fertig. Sie wurde 1808 nach Raunheim verkauft. Zum Bau der neuen Kirche kam dann auch die neue Orgel. Sie wurde bei Franz Laurentz Ripple Mainz, 1808 in Auftrag gegeben für 3150 Taler. Die Orgel die 1811 fertig war hatte 25 Register. Beim Brand am 12.12.1944 fiel auch die Orgel den Flammen zum Opfer. In der Behelfskirche dem Saal in der Kleinkinderschule wurde der Gottesdienst von einem Harmonium begleitet. Nach dem Wiederaufbau der Kirche St. Michael wurde 1957 wieder eine Orgel angeschafft. Die Orgel war von der Firma Werner Bosch Sandershausen mit 9 Registern. Sie tat vorher in der Stadtkirche die ebenfalls zerstört war ihren Dienst. In Dornheim begleiteten Sie den Gottesdienst 43 Jahre. 1992 entschied sich der Kirchenvorstand statt Reparatur der kleinen Bosch Orgel, eine neue anzuschaffen, Es wurden Entwürfe und Kostenvoranschläge eingehend geprüft. Die Orgel wurde im September 1997 beim Orgelbauer Friedrich Eichler in Auftrag gegeben. Der Orgelbau wurde von Besuchen der Gemeinde begleitet. Die Gemeindemitglieder konnten so Ihre Orgel wachsen sehen. Die Kosten beliefen sich mit allen Kosten auf 403.000.- DM. Die Boschorgel wurde nach Biebesheim verkauft. Im August 2000 waren die Einbauarbeiten beendet. Am 24. September bei der Dornheimer Kirchweih wurde die neue Orgel mit einem Festgottesdienst eingeweiht.
Ein Engel für die Kirche Seit Februar 2009 ziert der Erzengel Michael das Foyer der Kirche. Auf einem Steinsockel, mit einem Drachen der das Böse darstellt zu seinen Füßen. Auf dem daneben stehenden Pfeiler ist ein Vers aus dem Michaels Lied zu sehen. Die Holzfigur ist aus dem Grödener Tal, die Künstlerische Ausgestaltung ist von der Darmstädter Künstlerin Maya Huber. Am 15.2.2009 wurde die Figur mit einem Festgottesdienst eingeweiht.
Das Kirchenjubiläum Die Kirche St. Michael feierte 2010 ihr 200 jähriges Jubiläum. Das ganze Jahr über gab es Veranstaltungen zum Jubiläum. Zum Festprogramm im Juni gehörte außer dem Festgottesdienst und dem Jubiläumskonzert auch ein Erzählabend.
Am 20. Juni 2010 fand der Festgottesdienst zum 200 jährigen Jubiläum statt. Anschließend wurde das Gemeindefest auf dem Platz neben der Kirche gefeiert. Das Festkonzert fand am 27.Juni 2010 statt.
Die Kinderschule
Auch die Kinderschule wurde 100 Jahre alt. Schwester Berta ist der Name der jedem älteren Dornheimer einfällt wenn man Ihn fragt welche Erinnerung er an die Kinderschule hat. Schwester Berta war auch Krankenschwester und immer für jeden da. Die Kinderschule war im Parterre untergebracht im ersten Stock die Wohnung. Von den Preisen für die Kinder kann man heute nur träumen.
An Schulgeld war pro Woche zu zahlen: Für 1 Kind 15 Pfennige, für 2 Kinder (aus der selben Familie) 25 Pfennige, und für 3 Kinder 30 Pfennige.
Das war damals viel Geld aber die Kinder waren untergebracht und lernten viel. Der Erzählabend, am 19. August 2010, im Kindergarten weckte bei vielen Erinnerungen an schöne Tage in der Kinderschule. Viele der Anwesenden konnten einiges Erzählen ob als Mitwirkender oder auch als Erzieher.
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Auf dem Gelände wurde 1965 der neue Kindergarten gebaut „ Die Pusteblume".
Die Frauenhilfe
In der Chronik zu 60 Jahre Frauenhilfe kann man nachlesen: Herr Pfarrer Richard Münch gründete 1910 die Ev. Frauenhilfe, zur baldigen Beschaffung einer Krankenschwester und deren Unterhalt. Im Pfarrhaus trafen sich damals schon junge Mädchen die unter der Anleitung der Tochter von Pfarrer Münch Handarbeiten erlernten. Damals wurde beschlossen einen Frauenverein zu gründen. Die jungen Mädchen gingen von Haus zu Haus mit einer Liste, es gab wenige Frauen die nicht Mitglied im Frauenverein wurden. 1922 standen auf der Mitgliederliste 250 Namen.
Im 1. Weltkrieg strickten die Frauen für die Soldaten Strümpfe und Kniewärmer. Die Einnahmen der Mitgliedsbeiträge wurden für die Krankenschwesternstation und für die Kleinkinderschule in dessen 1. Stock die Krankenschwester wohnten verwendet. Die Frauenhilfe kümmerte sich auch um Wöchnerinnen und Bedürftige Frauen. Sie unternahmen auch Ausflüge und seit 1969 gibt es den Weihnachtbasar in der alten Kinderschule. Mit dem Erlös werden der Kindergarten und auch die Gemeinde unterstützt. Die Frauenhilfe kümmert sich auch heute um die Bedürfnisse der Gemeindmitglieder und dem Kindergarten. Sie treffen sich alle 14 Tage im Gemeindesaal in der Kirche.
Auch zum Jubiläum der Frauenhilfe gab es am 15.September, ein Erzählnachmittag, an dem viele Erinnerungen zu Tage kamen, an Basare, Fahrten das Basteln und die Handarbeiten für den Basar und vieles mehr. Hier wurde auch aus der Chronik zu 60 Jahren Frauenhilfe vorgelesen.